Endlich fehlerfrei Klavier spielen

Flüssig und sicher Klavier spielen – 6 wertvolle Tipps

Nervt es dich auch?

Immer wieder falsche Noten!

Bleibst du oft hängen, obwohl du das Stück gut geübt hast?

Wenn du endlich fehlerfrei Klavier spielen möchtest, dann schau dir dieses Video bis zum Ende an.

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Fehlerfrei Klavier spielen, ist das überhaupt möglich?

Du kennst sicher das Problem: ab und an rutschen dir falsche Töne dazwischen, du bleibst etwas zu lange an einer Stelle hängen oder musst manchmal sogar neu ansetzen. Das passiert häufig, selbst wenn du das Stück lange und sorgfältig geübt hast.

Um diese  Herausforderung zu meistern, bekommst du nun 6 wertvolle Tipps:

Tipp 1: Fehler sind menschlich!

Fehler passieren den besten Pianisten genauso wie dem blutigen Anfänger. Fehler machen ist menschlich!

Schon in der Schule wurden wir dazu erzogen: „Mach keine Fehler“. Unserer Schulaufgaben wurden nach Fehlern benotet. Was für ein fatales Signal für junge Menschen. Die Angst vor Fehlern verunsichert und ist oft die Ursache für Fehler.

Nimm kleinere Fehler nicht zu wichtig!

Kleine „Verspieler“ sind kein Problem, die Angst vor Fehlern allerdings umso mehr. Der Druck, „perfekt“ spielen zu wollen und die Aufmerksamkeit auf Fehlern, macht es uns sehr schwer oder fast unmöglich fehlerfrei zu spielen.

Deshalb: Ignoriere kleinere Fehler und lenk deine Aufmerksamkeit zurück auf die Musik. Wenn du dir zum Ziel setzt, musikalisch und „rund“ zu spielen, rücken Fehler schnell in den Hintergrund.

Tipp 2: Ist das Stück zu schwer?

Größere Fehler oder ständiges Danebenspielen bzw. Abbrechen an den gleichen Stellen darf man natürlich nicht ignorieren. Eine wichtige Frage, die du dir stellen solltest: Ist das Stück vielleicht doch noch zu schwer oder hast du es noch nicht sorgfältig genug geübt?

Wenn ein Stück zu schwer ist, dauert der Prozess des Lernens überdurchschnittlich lange. Bis du das Stück beherrschst, kann es Monate dauern und das hemmt über kurz oder lang die Motivation. Vielleicht ist es sinnvoller, das Stück zunächst beiseite zu legen und etwas Leichteres zu spielen, bei dem du in absehbarer Zeit Erfolgserlebnisse erzielst.

Die Einstudierung sollte einige Wochen nicht überschreiten. Dadurch kommst du dann auch mehr zum „Spielen“ und musst dich nicht an jedem zweiten Takt mit falschen Noten rumärgern. Ein Nebeneffekt davon ist, dass deine Motivation auch über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt und du dich vielleicht schon schneller an schwere Stücke zurückwagen kannst, als du denkst.

Tipp 3: Übe bewusst!

Egal ob leichte oder schwere Stücke, es ist immer wichtig, dass du bewusst übst. Das heißt: Vermeide mechanisches, stumpfsinniges Wiederholen! Du musst mit dem Kopf und dem Gehör immer aufmerksam dabei sein.

Natürlich müssen bestimmte Abläufe, z. B. schnelle Läufe, technisch automatisiert werden, sie müssen quasi auf Autopilot laufen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass du unbewusst spielst. Du musst immer wissen, wo du bist und was du spielst. Als „Pilot“ solltest du jederzeit in der Lage sein, das Ruder zu übernehmen.

Du musst dein Stück also genau kennen. Beim Klavier spielen gilt: „Selig sind die, die wissen, was sie tun!“ Dazu gehört sowohl die harmonische Analyse des Stückes, die Kenntnis über Akkorde, aber auch der melodischen Elemente der Passage. Dieses bewusste und kontrollierte Üben geht anfangs natürlich nur ganz langsam.

Tipp 4: Konzentriere dich auf die Musik

Sowohl langsam, als auch schnell, die Musik sollte immer im Vordergrund stehen. Es sollte nie das Ziel sein, eine Stelle oder ein ganzes Stück ohne Fehler zu spielen. Setz das Ziel höher!

Lege den Fokus nicht auf Fehler sondern denke an musikalische Abläufe! Gib jeder Stelle eine musikalische Aussage. Versuche, jede Phrase musikalisch noch schöner und runder zu gestalten. Überlege dir aktiv, welche Bögen und Artikulationen du setzen willst. Wenn du nur noch an die Musik denkst, wirst du plötzlich fehlerfrei spielen, du wirst es nicht mal merken.

Tipp 5: Trainiere die Konzentration!

Wenn du immer wieder Fehler machst, hat das natürlich auch mit mangelnder Konzentration zu tun.

Wenn es lebensnotwendig ist, können wir sehr konzentriert sein. Ein schönes Beispiel ist die Bergtour. Du kommst an eine ganz schmale Stelle, auf der einen Seite geht’s steil runter und auf der anderen hoch. Du musst da rüber, hast aber nur nur ca 40-50 cm Platz. Jetzt musst du sehr konzentriert sein!

Was machst du? Du bist hell wach, du schraubst deine Konzentration rein und achtest sorgfältig darauf, dass du nicht daneben trittst. Du gehst Schritt für Schritt und passt mit größter Aufmerksamkeit auf, dass nichts passiert. Die Strafe für eine Fehltritt wäre viel zu hart: du fällst runter und bist tot. Die Notwendigkeit konzentriert zu sein, ist hier maximal.

Beim Klavierspielen fehlt diese Notwendigkeit. Ein Fehler beim Klavier spielen wird dich nicht umbringen. Die falschen Noten klingen zwar nicht schön und du ärgerst dich vielleicht, eine echte Strafe ist das aber nicht.

Wie kannst du deine Konzentration trainieren?

Erfinde Spiele, die dich dazu bringen, deine volle Aufmerksamkeit auf dein Klavierspiel zu lenken.

Stelle dir vor, ein voller Konzertsaal mit 500 Leuten hört dir zu. Nun möchtest du das Stück oder diese eine Stelle, die du gerade übst, dem Publikum möglichst vollendet vortragen. Jetzt ist es ganz wichtig, dass du nicht von dir forderst, „ohne Fehler“ zu spielen. „Ohne Fehler“ oder „fehlerfrei“ versteht unser Gehirn nicht. Es registriert nur „Fehler“ und schon machst du den Fehler.

Deshalb sag dir: „ich möchte die Stelle vollendet spielen“ Stell dir also vor, du möchtest die Stelle besonders schön spielen, mit der richtigen Phrasierung, mit einem bestimmten Ausdruck, mit genau der Intention, die du musikalisch rüberbringen möchtest. Konzentriere dich also auf die Musik, wie in Tipp 3 besprochen.

Dann wiederhole das 3 mal oder 5 mal. Wenn das gelingt, dann hast du die Konzentration aufrecht erhalten.

Mit der Gummibärchen-Technik kannst du diese Übung noch intensivieren.

Drei Gummibärchen (Bleistifte, oder eine andere Belohnung) liegen auf der linken Seite des Klaviers. Nach jedem quasi fehlerfreien, besser gesagt „vollendet gespielten“ Durchgang, wandert ein Gummibärchen auf die rechte Seite des Klaviers. Nach jedem fehlerhaften Durchgang wandern alle Gummibärchen wieder auf der Anfangsposition links. Sobald alle drei Gummibärchen rechts angekommen sind, darfst du sie essen.

Diese Übung zur „Selbstüberlistung“ ist anfangs ziemlich anstrengend, fordernd und vielleicht sogar nervend. Es ist aber zum Klavier spielen das beste Konzentrationstraining, das ich kenne.

Tipp 6: Einstiegsstellen

Du musst an jeder Stelle des Stückes einsetzen können.

Ein Vorteil davon ist, falls du beim Spielen irgendwo aussteigst, dass du mühelos zum nächsten Einstiegspunkt springen kannst. Allein das Wissen, dass du das kannst, gibt dir enorme Sicherheit.

Wenn du dein Stück bewusst geübt hast (Tipp 3), wenn du genau weißt, was du an welcher Stelle spielen musst, dann fällt die der Einstieg an jeder beliebigen des Stückes nicht schwer.

Wenn das Probleme macht, solltest du das trainieren.

Zunächst übst du, zu Beginn der größeren Abschnitte einzusetzen. Dazu gehört z. B. der Anfang des Stückes, der Beginn des zweiten Themas, oder des B-Teil, je nach formaler Gliederung des Stückes.

Danach etablierst du Schritt für Schritt immer mehr Einstiegspunkte. Dazu übst du am besten von hinten nach vorne.

Fang beim letzten Takt an. Wenn du den beherrschst, beginnst du beim vorletzten und spielst bis zum Ende. So arbeitest du dich bis zum Beginn des Stückes oder eines größeren Abschnitts nach vorne.

Auch hier gilt Tipp 4! Nimm die Aufmerksamkeit weg von den Fehlern, konzentriere dich auf die Musik. Versuch, so schön und ausdrucksvoll zu spielen, wie es dir möglich ist. Sobald dir die Stelle musikalisch gefällt, kannst du einen weiteren Takt hinzunehmen, nicht vorher.

Wenn du dich auf das Musik machen konzentrierst, wirst du nicht mehr an Fehler denken und es wird dir irgendwann keine Probleme mehr machen, ohne Fehler zu spielen. 

Probiere diese Tipps aus! ich bin sicher, du wirst nach und nach eine Verbesserung feststellen und als Nebeneffekt einen Motivationsschub bekommen!

Viel Erfolg und viel Freude beim Üben!

PS: Hast auch du Fragen? Dann schreib diese am besten als Kommentar mit Hashtag #FragFT direkt unter diesen Artikel.

2 Gedanken zu „Endlich fehlerfrei Klavier spielen“

  1. Sehr geehrter Herr Professor Titscher!
    Hätten sie Tipps zur Überwindung von Lampenfieber?
    Oder auch zum Training von Vortragssituationen.
    Ich mache leider manchmal die Erfahrung, dass ich mich in solchen Situationen, trotz sorgfältiger Vorbereitung (Stück lang genug und sehr bewusst geübt, kritische Stellen auswendig, Aufgenommen und abgehört, oft ohne Fehler durchgespielt…), „ausserhalb“ der Musik fühle und wesentlich weniger musikalische Intention zeigen kann. Plus natürlich viel zu vieler stressbedingte Fehler (die zwar nicht tötlich sind, aber dafür sehr beschämend).
    Dazu: ich spiele inzwischen mehr Orgel als Klavier und lerne zwar Klavierstücke leicht auswendig, aber meine Orgelstücke nicht (weil das bei Organisten nicht in dem selben Maß usus ist wie bei Pianisten, weil auch öfter Registranten dazugezogen werden, und nicht zuletzt, weil es mir – vielleicht wegen der zusätzlichen Pedalklaviatur? – unglaublich viel schwerer fällt, ein Orgelstück auswendig zu lernen…)
    Herzlichen Dank,
    Johanna

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